pidi verlag

 

2007 in unserem Haus erschienen und noch erhältlich: 

 

Sonja John

30 Jahre Berlin 

18 echte Berliner erzählen aus ihrer Geschichte

 

pidi verlag. 2007. 112 Seiten. 9,95 Euro. ISBN 978-3-940341-00-6

 

Kurzbeschreibung:

Berlin hat international den Ruf einer jungen, dynamisch-kreativen Stadt, in der vieles möglich ist. In diesem Buch erzählen Berlinerinnen und Berliner des Jahrgangs 1977 aus ihrem Leben – mit und ohne Erfolgsgeschichte. Sie haben in ihrem Alter schon einiges erlebt, darunter auch historische Ereignisse vor der eigenen Haustür, sie haben aber auch noch den Großteil ihres Lebens vor sich. Wie sehen sie sich und ihre Stadt? Was macht das Leben in Berlin für Berliner aus? Welches sind die Orte, die ihr Leben prägen? Wie hat sich die Stadt verändert, mit dem 9. November 1989, dem Regierungsumzug, der Fußball-WM? Oder blieb alles beim Alten in Hohenschönhausen und für die Spandauer, die nach wir vor „nach Berlin“ fahren?

Das Buch ist eine autobiographische Dokumentation von Berlinerinnen und Berlinern des Jahrgangs 1977, hineingeboren in eine geteilte Stadt in einem geteilten Land. Die Porträtierten kommen sowohl aus Ost- und Westberlin, entstammen Familien mit oder ohne Migrationshintergrund aus verschiedenen sozialen Schichten. Dieser Querschnitt wirft einen Blick auf das alltägliche Berlin, beleuchtet Orte, die selten in Stadtführern auftauchen, aber für echte Berliner bedeutsam sind.

 

Die Autorin:

Sonja John, Jahrgang 1977, geboren in Berlin, ist Politologin vom Otto-Suhr-Institut und Journalistin. Seit ihrem amerikanischen Studium  in Lakota Leadership and Management auf der Pine Ridge Indian Reservation beschäftigt sie sich mit den Berührungspunkten von gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen und persönlichen Erfahrungen, kollektivem Gedächtnis und biographischen Erinnerungen, mit denen sich Individuen in ihrer Umgebung verorten. Sie ist u.a. Mitglied der Redaktion der Stadtzeitung scheinschlag, lebt und arbeitet in Berlin.

(Stand:  31.03.2007)

 

 

 

 

Fragen und Bestellungen bitte an:

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Tel:  0049.30.7419471

 

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Bohumil Pavlicek

Kruckenbergstraße 6

D - 12107 Berlin

 

 

 

Renzension im scheinschlag, Ausgabe 04 - 2007

Ich bin ein Berliner

von Andrea Winter

Das Jahr 1977 war für beide deutsche Länder politisch brisant: Ausreise- und Selbstmordwelle im Osten, RAF-Terror im Westen. In diesem bedeutsamen Jahr haben sie das Licht der Welt erblickt: 18 Berlinerinnen und Berliner, mit oder ohne Migrationshintergrund, hineingeboren in eine geteilte Stadt in einem geteilten Land. In der autobiographischen Dokumentation 30 Jahre Berlin erzählen sie aus ihrem Leben. Ob Mauerfall oder Krawalle am 1. Mai, die kleinen und großen historischen Ereignisse vor der eigenen Haustür. Thematisch ist fast alles vertreten, was das Leben in Berlin ausmachen kann: Drogen, autonome Szene, Häuserbesetzungen, offener und versteckter Rassismus, fehlende Elternliebe und Kinderheim, psychische Krankheit, verhinderte und erfolgreiche Karrieren. Nur die Stasi-Debatte und Berichte über Bespitzelungen in der eigenen Familie fehlen. Besonders beeindruckend ist die Vita der türkischen „Gastarbeiterkinder". Der passionierte Kreuzberger Adnan hat es trotz vieler Hürden aus der Integrationsklasse zum Akademiker gebracht. Ergün schaffte den Karrieresprung vom Berliner Fußballverein Türkiyemspor in die erste Bundesliga der Türkei. Die Kosmopolitin Arzu arbeitet für die Vereinten Nationen in New York und will später im Wedding Schüler mit Migrationshintergrund bei der Integration in soziale Netzwerke unterstützen.

Brigitte aus Mitte erlebte nach der Wende einen „Kolonialisierungsschock". Skeptisch betrachtet sie die Veränderungen an den Orten ihrer Kindheit.

Neben der bewegten Vergangenheit beleuchtet die Dokumentation auch Probleme der Berliner Gegenwart: Arzu hat einen Top-Job in den USA, weil Posten für Akademiker in der deutschen Hauptstadt leider Mangelware sind. Auch die Kriminalkommissarin Susanne hat ihre beruflichen Grenzen erkannt: „Mit der Beförderung klappt es nicht mehr, seitdem es so wenige Stellen in Berlin gibt." Ihr kritischer Blick fällt auch auf unerfreuliche Tendenzen im Beruf: „Wir leben in einem Rechtsstaat. Ich zumindest. Bei den anderen ist es manchmal nicht so".

Völlig unterschiedliche Lebensläufe also, und alle zusammen ergeben das große Puzzle „Leben im alltäglichen Berlin". Vor allen Dingen ist das Buch aber auch eine Liebeserklärung an die Stadt an der Spree.

 

Besprechung auf Althussers Hände

Das Rot von Coca Cola

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Auch in dem kleinen Buch “30 Jahre Berlin“, in dem achtzehn 30jährige Berliner meines Jahrgangs (1977) aus ihrem Leben erzählen, geht es öfter um diesen Übergang von der einen in die andere Farbwelt. Im schönsten Beitrag kommt ein gewisser Viktor zu Wort, aufgewachsen im Friedrichshain, “zwischen Warschauer Strasse und Ostkreuz”. Kurz nach der Wende kommt Viktor, zwölf Jahre alt, zum ersten Mal nach West-Berlin: “Als wir endlich die Grenze passieren durften, wurde es langsam dunkel. Wir sind einfach nur ein wenig spazieren gegangen, aber ich war doch sehr fasziniert und gebannt, vor allem von den leuchtenden Farben. Es gibt da einen "Robben & Wintjjes", den gibt es immer noch, und dieses blaue Licht hat mich sehr beeindruckt. Oder auch das Rot von Coca Cola. Das erste, was wir uns gekauft haben, waren vier grosse Dosen Cola, an einer Dönerbude. Die haben wir aber nicht gleich getrunken, sondern brav mit nach Hause genommen, in den Kühlschrank gestellt und dann schön eingeteilt.”

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Renzension im Stachel Friedrichshain-Kreuzberg

 

Sonja John: „30 Jahre Berlin“

 18 echte Berliner des Jahrgangs 1977 erzählen aus ihrer Geschichte

 von Elke Böttcher

Es ist das erste Buch der Autorin, des Verlegers, der FotografInnen und des Layouters. Das sieht man dem Buch nicht an. In der Einladungsfeier zum Geburtstag und zum Feiern des ersten Buches stand nicht, worüber es handelt. Und so war ich fest davon überzeugt, dass es mindestens um Indianer oder sozialpolitische Themen geht. Immerhin kenne ich Sonja seit Ende der 90er aus der Arbeit im Sozialausschuss in Friedrichshain und durch die interessanten Berichte ihres zweijährigen Aufenthalts im Pine Ridge Indianerreservat im US-Bundesstaat Süd Dakota, wo die Politologin Lakota Leadership und Management studierte.

Doch dann die Überraschung. Sonja hat waschechte BerlinerInnen ihres Jahrgangs interviewt. Eigentlich doch Indianer, Stadtindianer. Die kurzen Porträts von drei bis fünf Seiten sprechen oft ganze Bände. Vom Osten und Westen, vom Rand und aus der Mitte Berlins, von Männern und Frauen mit und ohne Migrationshintergrund, von Noch-Studentinnen und Angestellten bis hin zu UnternehmerInnen. Und aus allen spricht ihre Verbundenheit, ihre Liebe zu Berlin. Beim Fall der Mauer waren Ergün, Sara, Gregor, Antonie und all die anderen zwölf Jahre alt. Und so zieht sich durch das Buch auch die Wahrnehmung und Auseinandersetzung mit der jeweils anderen Seite Berlins, die Manchen immer noch fremd ist.

Die Idee zu diesem Buch entsprang Sonja Johns Verwunderung über Zeitungsporträts junger „Berliner“, die entweder das hippe Berlin-Mitte prägen oder die Generation Praktikum repräsentieren, allesamt Menschen aus den alten Bundesländern und somit einer anderen Sozialisation, einer anderen Einstellung zur Stadt. Doch was machen die richtigen, die ganz normalen BerlinerInnen ihres Jahrgangs, die Jungs und Mädchen von nebenan? Beim Recherchieren für den geplanten Artikel entstand Material für ein Buch. Ein Verlag war auch recht schnell gefunden, der dann jedoch kurzfristig absagte. Doch Sonja ist auch Sportlerin, Radrennfahrerin. Da gibt frau nicht einfach auf. So musste Bohumil Pavlicek, ihr aus Tschechien stammender Trainer ran und seine Verlagsgründungspläne etwas schneller realisieren. Sonja hat wieder mal die Zielgerade erreicht, und das nächste Buch ist schon in Arbeit.

 

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